Montag, 19. Januar 2009

Hessen liegt im Dschungel

Sein Selbstbewußtsein scheint unendlich, jede Herausforderung übersteht er mit einem über das blanke Entsetzen geschmierten Grinsen, jede ekelhafte Prüfung versteht er als Liebesbeweis der Menschen und bedankt sich artig dafür. Niederlage als Sieg für die Ungerührten und einfach Sitzengebliebenen.
Selbstreflexion ist seine Sache nicht, wenn man die Grinsemaske aufbehält, bleibt alles so wie immer. Skandale, Affären, Pleiten, Pech, Pannen. Aussitzen. Alles Glücksrad.

Verwirrtes Deutschland: Kann es sein, daß Hessen sich während des Wahlkampf stellvertretend an Peter Bond abreagiert hat, und dann mit der analogen Wahl an den Urnen und der SMS an RTL durcheinander gekommen ist?
Daß sie eigentlich Koch in die Ekelprüfungen schicken und und anschließend aus dem Hessen-Camp rauswählen wollten?
Und stattdessen hat es nur Peter Bond getroffen?
Abbildung ähnlich

Freitag, 16. Januar 2009

Ganz verschossen

Da denkt man eben noch, man bräuchte mal eben eine Woche Urlaub, und zack! beim aus der Dusche klettern erwischt es einen - Hexenschuß.
Natürlich hält man pflichtbewußt den Termin bei der Friseurin ein, und auch den Tag im Büro durch, auch wenn man gebückt aufs Klo schleichen muß, und auch die Sitzung bis Viertel nach Zehn abends.
Aber heute nicht, nicht mit mir.
Paar Ibuprofen, Sofa, Bett. Immerhin frisch frisiert und gefärbt (Ja, ich färbe, Sky-du-Mont-Phase kann ich immer noch einleiten)
Ist es bald dunkel genug, um ein wenig Wein zum Ibu zu gießen? Das entspannt nämlich so ungemein.
Aber Sekt darf man doch auch tagsüber?

Sekundärer Krankheitsgewinn, nennt man das wohl. OK by me.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Abtauen

Ist ja herrlich, dieses Knallwinterwetter, ich mag es und es bekommt mir.

Nur eine Bitte: könnte man bittschön für eine Woche einmal auftauen? Nur ein paar Tage?

Ich hab nämlich noch einen Haufen Blumenzwiebeln zu versenken, das hab ich im Herbst total verschlampt.
Und sonst ist ja schlecht mit Frühling

Montag, 12. Januar 2009

Auch 'geil'?

'Geil' ist auch ein durch und durch tragisches Wort.
'Geiler jugendlicher Mittfünfziger sucht geile Jungs bis 25'
Puh.
Manchmal schaffen die Leute es gar, bis zu 5x 'geil' in einem Statement unterzubringen.
Wobei dann nicht geklärt ist:
Ist der jugendliche Mittfünfziger nun unglaublich erotisch und attraktiv oder hat er es nur unglaublich nötig?
Und welchen Aspekt von 'geil' sucht er nun an seinen jugendlichen Begleitern?

(Erster Teil einer neuen Serie 'Tragische Ausdrücke'.
In der nächten Woche: 'Durch die Lappen gegangen')

Freitag, 9. Januar 2009

Kurz angebunden!

Fast hätte ich schon eine Vermißtenanzeige aufgeben wollen, habe ich doch den LMB* vor Weihnachten das letzte Mal gesehen.
Sein Meister war über die Feiertage angereist, und da möchte man nicht so in irgendwelchen Installationen stören (außer Glam, der ihn in der Silvesternacht rausklingelte, um ihm ein wenig Veuve einzuflössen.)
Danach - Stille. Dienstreise? Oder hatte der Meister ihn nur irgendwo festgebunden und dann vergessen?

Gestern abend kam er dann freudestrahlend und slap happy an. Es war eine Kombi aus beidem gewesen.

*langjährigen Mitbewohner

Donnerstag, 8. Januar 2009

Jessica Lange

Schauspieler und -Innen gibt es bekanntlich wie Sand am Meer, die meisten sind hübsch und einige, erstaunlich wenige, können sogar gut schauspielen.

Aber dann gibt es, zugegebenermaßen nur ein paar Mal in hundert Jahren, das Phänomen, daß Gesicht, Persona, Erscheinung das reine Bild und die Bewegung transzendieren - auf der Leinwand erscheint etwas ganz anderes als nur ein Film.
Man kann das wohl heute nicht mehr so richtig nachvollziehen, aber stellen Sie sich einmal die Auswirkung vor, von auf mehrere Quadratmeter geballt projiziertem Licht, 24 Bilder pro Sekunde, auf jemand, der so etwas noch nie gesehen hat. Moving Pictures. Movies.
Ein Gesicht, eine Großaufnahme, metergroß, geschaffen aus reinem Licht und Schatten, leicht flackernd. Stars - das sind Sterne, sie leuchten von innen, von selbst.
Kein Wunder, daß in der kulturgeschichtlich noch recht jungen Götzenwelt des Filmgeschäfts ein wahres Pantheon aus Göttern und Göttinnen entstand, die reinsten jene, die das bloße Bild zur Ikone transzendierten, eine Louise Brooks, eine Lillian Gish, ein junger Montgomery Clift, um mal einige der weniger üblich Verdächtigen zu nennen, und eben: Jessica Lange.

Jessica Lange ist eine der besten, kreativsten und talentiertesten Schauspielerinnen, die es gibt, aber das ist hier nicht der Punkt. Es ist ihr Film-Wesen, ihr Gesicht, ihr Körper und wo sie das Gespielte her nimmt, was sie unterscheidet, von einer, sagen wir, Meryl Streep.

Sie ist diejenige mit der hohen runden Stirn, ein wenig Porzellanpuppe, ein wenig Baby Jane Hudson, Intelligenz und seltsame Niedlichkeit. Diejenige mit den starken Wangenknochen, die Sturheit andeuten, wären da nicht die schmalen, leicht schräg gestellten, aber vor allem immer flüchtig blickenden, seitlich ausweichenden, Verletzung kennenden, die Situation auf Auswege absuchenden Augen. Der Ausdruck, wenn sich diese dann fokussieren.
Der Mund, oft unsicher, stur, grübelnd, oder auf unglaublich freche Art herausfordernd lachend. Die leider etwas schlecht gemachten Kronen, die das ganze in einer Billigkeit (verzeihen Sie, mir fällt kein anderes Wort ein) erden und das menschlich fassbarer machen.

Entdeckt für mich habe ich Jessica Lange mit Jack Nicholson in The Postman always rings twice und war sofort hooked. Die Körperlichkeit, die eine ungeahnte Kraft aus Schwäche, aber auch Gier und Wut holt.
Was sie für Frances noch einmal komplett neu und anders erfindet. Spätestens mit Frances war ich ihr dann komplett verfallen. Crimes of the Heart nicht zu vergessen.
Eine Sphinx, die alles zeigt, aber nichts verrät.

Gestern abend war ich dann furchtbar wütend und traurig, als ich den von Glam bereits vorgestellten Bonneville gesehen habe, ein Roadmovie für 3 Frauen und eine Urne, das seine Möglichkeiten leider weitgehend ungenutzt verschenkt.
Wütend und traurig aber war ich über drei andere Umstände: Das Altern. Man sollte Jessica Lange das Altern verbieten. Und Facejobs und Botox. Das sollten sie ihr auch verbieten. Aber vor allem dem Kameramann, dem sollte man seinen Beruf verbieten und schnell umschulen, vielleicht auf Fleischereifachverkäufer, denn so fotografiert man keine Frauen mittleren Alters.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Nix für Weicheier

Nein, ich würde nie lange Unterhosen tragen. Das hat mit gar nicht mal so frühkindlichen kratzigen Wollstrumpfhosen zu tun.
Außerdem besitze ich keine und man würde mich nicht mal tot in einem Lange-Unterhosen-Laden finden.
Darüber hinaus besitze ich auch keine Hose, in der außer mir auch noch eine lange Unterhose Platz finden würde.

Mein einziges Zugeständnis an den Winter ist ein Schal. Eigenfett wärmt schließlich auch. Und Kaltes-Wetter-Essen. Aber da gehen mir langsam die Rezepte aus, nach mütterlichem Gemüseeintopf und Kartoffelpürree á la Mama fällt mir nichts mehr ein, Pasta geht definitiv nicht bei solchem Wetter. Vielleicht mal Kartoffelpuffer? Ob ich was mit Speck kochen soll?

Berlin muß Palermo sein. Man ist ja gar nicht gerüstet für so einen Winter, scheint's. Völlig überraschend, ein Wintereinbruch! Und das mitten im Winter! Wer konnte bei einer Lage so kurz vor Russland mit Schnee und Eis rechnen?
In dem 250-Seelen-Dorf, wo ich herkomme, und wo es mittlerweile bestimmt nur noch 150 Seelen gibt (plus ein paar Seelenlose), war spätestens um halb acht alles geräumt und geschippt und die Verbindungsstraßen zischen den 150-Seelen-Gemeinden selbstverständlich eisfrei und gestreut. Wer vor seinem Haus nicht Hof UND Gehweg geräumt hat, wird erschossen oder in die Güllegrube gesteckt, in Berlin sind die einzigen schneefreien Eckchen dort, wo jemand hingepißt oder ein Hund einen saftig dampfenden Haufen hingesetzt hat.
In der Hauptstadt: selbst auf den Hauptstraßen zentimeterdick das Eis, die Bahnen fahren nicht, und eigentlich sollten sich alle das morgendliche Eiskratzen am Auto sparen, wenn sie danach eh nur 10 km/h fahren wollen oder können.

Dienstag, 6. Januar 2009

Besser geht's doch

Ich liebe diese eisvogelblauen Tage, wenn der Himmel so hoch und breit und weit ist, daß er einem unendliche Möglichkeiten vorgaukelt. Freiheit, Mut, Zuversicht, Selbst-Bewußtsein, in so einem blitzeblanken, neuen Jahr, der Kalender noch nicht mit unnützen Terminen vollgeknallt, noch nur bis zu den Knöcheln zugemüllt statt bis über beide Ohren.

Dann steht man da, hat sich freigeschwommen von allerlei, hat einiges vor, großes und kleines und selbstsüchtiges, die Richtungen sind einigermaßen klar, nur wie man es anfangen soll, das weiß man noch nicht. Nur bald sollte es sein, bevor die Wellen wieder über einem zusammenschlagen.

Da wünscht man sich ein wenig mehr Selbstvertrauen, und eigentlich möchte man mal wieder auf den Arm, nur daß man leider mittlerweile zu groß und zu alt und zu schwer ist.

Sonntag, 4. Januar 2009

Reflexlos

Da fällt mir grade ein, ich hatte in der Silvesternacht doch tatsächlich einen Verehrer. Groß, schlank, blond, also nicht ganz mein Beuteraster, aber Beggars can't be Choosers can be Losers. Wirklich nicht häßlich, und er sagte mehrmals, daß er mich sexy fände. Damit konnte ich wohl nicht so viel anfangen, ausschlaggebend war allerdings das Feingestreifte in Hellblau, was an sich schon schwierig ist, aber wenn es dann noch auf Feingestreiftes in Rosa und Weiß trifft, in Verbindung mit einem hellen Anzug mit zu kurzer Hose, dann ist mir das eine Spur zu Krömer.

Zugegeben, etwas wählerisch für Hermannplatz um 6 Uhr morgens, aber man kann offensichtlich nicht aus seiner Haut heraus.

Dabei habe ich doch eigentlich die schöne Tradition, daß ich, wenn schon sonst nicht, wenigstens am Neujahrsmorgen noch was abbekomme. (Wahrscheinlich weil ich sonst nicht ganz so besoffen bin und mich wehren kann... - Oder umgekehrt, man weiß es nicht mehr so genau...)

Vor drei Jahren einen echten Pornostar, hünenhaft und gut gebaut, den alle in den diversen Kneipen mit den Augen auffraßen, aber ich war es, der dann mit ihm all die Sachen tun durfte, die ich niemals zuvor und niemals danach wieder getan habe, aber für die paar Stunden hat es schon gepaßt.

Vor zwei Jahren jemand, an dem ich mich schon mittags nicht mehr erinnern konnte, als ich wach wurde, und auch nicht nachschauen konnte, weil er schon weg war. Aber wund geknutschte Lippen und Augenzeugen aus der Bar vorher bestätigten mir, daß da was war.

Letztes Jahr war, glaub ich, nichts.

So gesehen, muß ich wohl für dieses Jahr mal meine Reflexe wieder aufpolieren. Und zwar vor der nächsten Silvesternacht. Gefälligst.
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