confessional pottery
Auf dem Dachboden die Tasche von Vater gefunden, die er immer zur Arbeit mitnahm, auch als er vor 24 Jahren auf dem Weg zur Arbeit von einem LKW in einer geschlossenen Ortschaft mit über 80 km/h überfahren wurde.
Es war außer der Stullendose noch alles drin, seine Augentropfen, der Zollstock, sein Notizbuch, auch eine noch ungeöffnete Halbliterflasche Bitburger und eine neue Packung Africaine-Zigaretten.
Als ich klein war, aß ich mit Begeisterung die angetrockneten Butterbrote, die er wieder mit nach Hause gebracht hatte, das waren nämlich "Hasenbrote", die ihm der große alte Hase, der irgendwo an der Straße wohnte, für mich mitgegeben hatte.
luckystrike - 4. Jul, 13:10
Wie die Herren Bacharach/David so schön und dazu noch treffend am allerschönsten von Ms. Warwick singen lassen haben:
A Chair is still a Chair
Even when there's no one sitting there
But a Chair is not a House
And a House is not a Home
When there's no one there
To hold you tight
And no one there
You can kiss Good Night.
A Room is still a Room
Even when there's nothing there but Gloom
But a Room is not a House
And a House is not a Home
When the two of us
Are far apart
And one of us
Has a broken Heart.
Now and then
I call your Name
and suddenly your Face appears
But it's just a crazy Game
When it ends
It ends in Tears.
So gesehen, bin ich froh, nach neun Stunden Autobahn wieder zuhause in Berlin gelandet zu sein.
Aber die Reise war gut und schön und wichtig und ich war gut aufgehoben und habe jetzt etwas mehr Frieden.
luckystrike - 3. Jul, 00:18
Der Schwager hat die Uhr zurückgestellt, die immer präzise 10 Minuten vor ging, damit man mehr Streß und Terror hatte, wenn man mal wo hin mußte.
Ich lasse immer alle Türen auf, die waren früher immer alle geschlossen, Tür auf, durch, Tür zu, am besten mit lautem Anschlag.
Auch bei der Kaffeemaschine ziehe ich nicht auch noch den Stecker, zusätzlich zum Ausschalten - muß reichen.
Abends bemühe ich mich nach ihrer Zubettgehzeit besonders, NICHT leise zu sein, was mir kaum gelingt.
Um nur einige Beispiele zu nennen.
Ja, das würde ihr ganz und gar nicht passen.
Aber dann hätte sie eben an Bord bleiben sollen, dann hätte sie es weiter unter Kontrolle halten können.
luckystrike - 24. Jun, 10:19
luckystrike - 28. Mai, 13:01
Eine Schale Primeln auf der Haustür, von der zu frühen Hitze ein wenig gebeutelt.
Eine Rhabarber-Streuseltorte, frisch gebacken und halb gegessen, die geschlagene Sahne im Kühlschrank. Ein Stück mehr fehlte seit dem letzten Besucher am Vorabend, sie muß vor dem zu Bett gehen noch ein Stück genascht haben.
Das Haus glänzt und duftet, sie hat in den letzten Wochen einen kompletten Hausputz gemacht, alle Fenster geputzt, alle Schranke sortiert und ausgewaschen, alle Dinge geordnet. Alle Blumen gegossen, keine welke Blüte und kein welkes Blatt auf den Fensterbänken.
Anfang Mai ist die Welt am schönsten, die Welt duftet nach Honig von den Rapsfeldern, die Gärten sprechen von Hoffnung und Fruchtbarkeit, Wiesenschaumkraut, Löwenzahn und Gänseblümchen auf den noch ungemähten Wiesen, alle Pflanzen stehen am Anfang, noch nicht von der Sonne verbrannt oder von Ungeziefer zerfressen.
Irgendwann muß sie angefangen haben, die Unmengen von Fotos in Alben zu sortieren, die Familienfotos mit den vielen Toten, die sie jahrelang nicht aus dem Schrank holen konnte.
Kein Nachbar, kein Freund, keiner in der Familie, der sagt, oh, wir wollten doch noch, oder oh hätte ich doch noch.
Sondern 'Gestern haben war noch so schön...' 'Letzte Woche wollte sie noch unbedingt dorthin, da waren wir am Dienstag zu...' 'Aber vorgestern waren wir noch...'
Kein offenes Gespräch, alles zu Ende gebracht.
Zehn Tage vor ihrem Tod hat sie mir noch gesagt, daß ihr Leben voller Leid, Tod, Mühen und Not gewesen ist, aber daß sie ihren Frieden damit geschlossen hat, daß sie glücklich und zufrieden ist.
Keine offenen Fragen, bei niemand.
Ich glaube nicht, daß sie wußte, daß sie so bald sterben würde.
Es drängt sich aber der Eindruck auf, daß es ein Innehalten im Universum gegeben hat, einen Augenblick, an dem alles perfekt war, der Garten bestellt, und besser würde es vielleicht nicht mehr werden. Zeit zu gehen?
luckystrike - 13. Mai, 10:48
"Du bist der einzige, dem ich sowas erzählen kann, und der nicht denkt, daß ch eine Schlampe bin!"
"Aber du bist doch eine Schlampe!...
(Entsetzter Blick aus braunen Rehaugen)
...Aber wer sagt denn, daß das was Schlimmes ist?"
Die weiter unten gratulierte älteste Freundin hat mich spontan übers Wochenende überfallen. Also eigentlich gings nicht um mich, ich bzw. meine Wohnung war sozusagen ihr 'beard', eine Schlafstätte, damit das Date sich nicht allzu sicher sein konnte, daß es zum Äußersten kommt. Heterosexuelle Etikette, Moral und Anstand, wohl.
Als Frau "um die" will sie jetzt endlich ein Kind, bevor's zu spät ist, und einen Mann dazu.
Deswegen will sie sich noch schnell die Alternativen anschauen, die sie im Internet kennengelernt hat, um zu entscheiden, ob sie's nun mit der aktuellen Affäre vor Ort oder doch lieber einem anderen durchzieht.
Testfahrt gabs anscheinend auch, und was sie jetzt davon hat, ist Herpes untenrum und totale Verwirrung.
Manchmal denke ich ja auch, daß mein Zug bald abfährt, aber was bin ich froh, daß ich da wenigstens keine biologischen Last Calls zu beachten habe.
Aber immerhin hat sie keinen
Hit & Run oder Samenraub bei mir versucht.
luckystrike - 21. Apr, 10:43
Haben Sie bemerkt, daß ich Sie bereits angelogen habe? Hab ich. (...)
Aber ich lüge auch so. Es macht mir Spaß. Streng genommen sind es keine Lügen, nur ein bißchen 'coloratura'. Wie beim Ausmalen von Malbüchern, es macht meine Geschichten bunter.
Manchmal habe ich sogar den Eindruck, coloratura und Übertreibungen kommen der Wahrheit näher als die reine Wahrheit.
So schreibt die formidable Isabelle Rosselini in ihrem autobiografischen Buch "Some of Me", charmant und plaudernd.
Zum Beispiel lügt sie, daß ihre Mutter Ingrid Bergmann 4 Oscars bekommen habe, nur weil es sie ärgert, daß Katherine Hepburn mit 4 Oscars den Rekord hält, und nicht ihre Mutter.
Oder sie erzählt die Geschichte, wie Paloma Picasso ohne Widerrede das falsche Haus als Picasso-Museum eingeweiht hat, weil die Stadt aus Versehen das Nachbarhaus anstelle des echten renoviert und hergerichtet hatte, und weil sie es eh viel passender fand.
Und so halten wir es auch hier.
luckystrike - 13. Apr, 12:23
(nein, nicht noch ein Beitrag über Charlotte Roch, ich habe der Diskussion nichts hinzuzufügen)
Gestern hab ich mich aus Gründen mit einem Blog eingehend beschäftigt. Gründen, die der Herr Glam zu gegebener Zeit sicher lüften wird.
Jedenfalls, ich habe mich durch den Blog gearbeitet und war höchst enthralled, auch wenn ich nur bis zum September 2007 gekommen bin: Witzig, poignant, auf den Punkt, kurze klare Sätze oder lange Klagen. Mit Person (oder Persona?). Mit Haltung und Meinung, aber komplett trivial.
Und auch und manchmal vor allem: Geniale Kommentatoren, die dem Ganzen etwas dazugeben, und oft den Artikel erst in Schwung bringen. Wie hier z.B. Mr. Glamourdick:
"lumbago hört sich ganz gemein an. wie etwas, was man am ballermann alten frauen als cocktail andrehen würde."
So solls wohl sein, das Bloggen. Ich hab mich amüsiert wie Bolle jüngst zu Pfingsten.
Welcher Blog das war? Jetzt ist die Stelle, wo's peinlich wird: es war
dieser.
Puh, kann mal jemand lüften? Bitte? Dringend?
luckystrike - 11. Apr, 09:20
Menschlich war er ja grottenhaft unsäglich, das ging gar nicht.
Aber in einem Punkt vermisse ich ihn auch nach all den Jahren noch:
Keiner konnte sich wie er beim Sex vergessen, der pure Trieb, das nackte Begehren, der reine Genuß, besinnungslos, schmutzig und komplett erdenfern.
Und mich dabei mitreißen.
Ein Schwein halt, durch und durch. Soundso.
luckystrike - 3. Apr, 11:09
... und wenn wir schon dabei sind, können wir auch gleich noch die Fotokiste durchsortieren.
Macht jetzt auch keinen Unterschied mehr. Leider ist der Campari-O jetzt alle alle. Britt?
On the Upside: bis auf 1 (na gut, anderthalb) sahen alle meine Exe wirklich gut aus. Die würde ich alle wieder nehmen.
Und, so im Retrospekt, sah ich selber früher auch wirklich gut aus, fast scharf.
Schade, daß ich es damals nicht gemerkt habe.
Daß es gut war, wie es war,
das weiß man hinterher,
daß es schlecht ist, wie es ist,
weiß man gleich.
17 Millimeter fehlten mir zu meinem Glück
und schon warfs mich meilenweit zurück
Schnauze, Hilde, hast ja Recht.
luckystrike - 23. Mrz, 21:23