Die einen kriegen Tinnitus, die anderen Allergie, Migräne oder Magen, ich kriege Lendenwirbel, wenn's eng wird.
(Auftritt Mary Roos "Aufrecht gehn, aufrecht stehn, ich hab endlich gelernt, wenn ich fall, aufzustehn")
Heute nachmittag wird sich das entscheiden - der Badminton-Platz ist für eine Doppelstunde gebucht - do or die. Entweder ruckelt sich alles zurecht, oder - Glammie, kommst du mich holen, zur Not? (Im Lager steht ne Sackkarre)
luckystrike - 2010/02/16 10:55
Tausend kleine Wunden sticht man sich jeden Tag, weil man sich so lieb hat, weil man sich so mag!
(Hat Antiteilchen hier mal kommentiert)
"Kommst du heute abend mit zu Amy MacDonald?" (Betsy, 21)
"Wer is'n das, kenn ich nicht, ist das so junge-Leute-Musik?" (Lucky, 103)
"Hey, du hast einen Lily-Allen-Klingelton, stell dich nicht so an, du bist 15!"
"Wow, du hast aber abgenommen!" (Salome, deportierte georgische Exkollegin, die mit falschen Visum aber echtem Pass zur Zeit in Berlin zu Besuch ist)
"Du hast wahrscheinlich einen Knick in der Optik, weil in Georgian alle Männer ab 24 über 5 Zenter wiegen, aber danke, sehr lieb!"
In der Post war dann noch eine Einladung zu einer von diesen üblen Ü-30(!)-Party im verungückten Goya, ich werde die PR-Agentur verklagen. Bin schließlich schon Ü-40.
luckystrike - 2010/02/12 10:58
Ich kenne ja fast keinen Menschen, der nicht den Ehrgeiz oder den Wunsch hätte, einmal, vielleicht später, einen "Roman" zu schreiben, man spüre man habe es in sich. Ich kenne sogar Menschen, die einen oder mehr Romane geschrieben haben, die fertig in der Schublade sind oder sogar zum Teil veröffentlicht.
Ich muß zugeben, daß auch ich zur ersteren Kategorie gehöre. Eine Lust an Worten und Wörtern und am Formulieren und eine gewisse Begabung dazu spüre ich und sie wurde mir auch schon früh attestiert, wie so vielen. Unter anderem deshalb schreibe ich hier, wenn ich auch oft nicht wirklich etwas mitzuteilen habe.
Vor ein, zwei Jahren ritt es mich allerdings, ich begann ein Projekt: inspiriert von einer Playlist, in der ich Stalker-Songs zusammengestellt hatte, eröffnete ich einen neuen Blog: Close to You sollte er heissen und von einem Stalker in Ich-Perspektive erzählt werden, in meiner näheren Umgebung spielen, so daß ich Details nutzen könnte, um das ganze authentisch zu machen.
Relativ harmlos sollte er anfangen, alltäglich, wie ein vielleicht nicht mehr ganz so junger Mann dem Objekt seiner (vergeblichen) Begierde zunächst nachforscht, immer mehr in das Leben des andern eintaucht, bis das ganze eine wahre Obsession mit unschönen, wenn nicht gar gefährlichen Ergebnissen wird.
Die Blogform als öffentliche Tagebuchform fand ich dazu das richtige Medium - vielleicht ein paar Leser und Kommentatoren erreichen, die das Ganze miterleben und auf den ins Gefährliche gleitenden Autoren reagieren.
So, wie ich den näheren Kiez als bekannte Gegend nutzen wollte, sollte die Seelenlandschaft des Autors eine mir ähnlich bekannte sein, gelegentlich ein wenig einsam, gelegentlich ein wenig verbittert oder selbstmitleidig, und vielleicht ein wenig schwierig im Umgang.
In der Theorie liest sich das gar nicht mal schlecht.
Allein, es fiel mir unglaublich schwer, die Verliebtheit des Erzählers herbeizuschreiben, wenn auch seine Gedanken über die Ablehnung mir leichter fielen. Für die spätere Obsession dachte ich, durch die Playlist einen guten emotionalen Soundtrack zu haben, warum sollte der Protagonist nicht selber zum Beispiel Dalbellos "Gonna Get Close to You" hören?
So werkelte ich 3 oder 4 Wochen fast täglich vor mich hin, weitgehend unbeachtet, was ok war, schließlich sollte der Anfang reichlich unspektakulär sein. Gerüst, Komplikationen und Steigerung der Spannung war soweit fertig geplant, ungefähr über ein Jahr sollte sich das erstrecken. Was mir allerdings nicht gelang, war das ganze emotional zu füllen, ihm Leben einzuhauchen - das konnte ich in mir nicht finden oder mobilisieren, und so stellte ich das Projekt ein. Sie werden es nicht finden, es ist offline und ich selber habe mir auch keine Sicherungskopie gemacht.
Warum auch sollte ich von einer Begierde, einer gefährlichen Obsession schreiben, wenn ich das gar nicht in mir habe und vielleicht für Schlüsselstellen bei anderen Autoren, Filmen oder Songs klauen müßte? Wo sollte ich es hernehmen, wenn ich es nur vom Hörensagen kenne? Kein Fleisch auf die Knochen, kein Blut zum Fleisch hin bekomme?
Das ist genauso absurd, wie wenn ein 17jähriges Mädchen unbedingt über Berghain, schmutzigen Sex und Drogen schreiben muß, wenn sie überhaupt noch gar nicht ins Berghain reinkommt, außer vielleicht, wenn sie das Gefühl oder die (Fremd-?)Inspiration hat, sie müßte für die greisen Herrn vom Feuilleton den Roman der Nullerjahre schreiben, genau so, wie jene sich eine verderbte Generation vorstellen?
luckystrike - 2010/02/10 10:38
Die Texte der letzten Tage waren, wie sie bemerkt haben: nicht.
Genau wie meine Tage: nicht. Nichts im Hirn, nichts in der Hose, nichts am Herzen. Nicht schlimm.
Sogar die abendlichen Serien, der Lebensersatz, sind Wiederholungen.
Vielleicht sollte ich auch mal anfangen, zu plagiarisieren, abzuschreiben, zu remixen.
Eins allerdings freut mich unendlich: daß Airen jetzt endlich doch ein paar, oder wie es aussieht, sehr viele (momentan Platz 23 bei Belletristik in den Amazon-Charts) Bücher von seinem famosen "Strobo" verkauft.
Ich war schwerst beeindruckt, von der Sprachgewalt, dem unbeirrbaren Tunnelblick und der Millionen Begriffe, die Airen z.B.für drauf sein hat, wie ein Eskimo, der in seiner autarken Lebenswelt eben auch viele viele Wörter für Schnee hat.* Krass, und berührend, wie Airen selbst.
Die Haushaltskasse kann es sicher sehr sehr gut brauchen, und im Gegensatz zum vermeintlichen Fraulein-Wunder hat ihm beim Schreiben Montieren Feuilleton-Rumreichen auch kein Daddy geholfen, ganz im Gegenteil.
Auch freut mich, daß die kleine Made gleich beim Lügen erwischt wurde, sie kenne das Buch gar nicht, aber siehe da, Daddy hatte ihr eins geschickt.
Es regt mich aber trotzdem auf wie die kleine Volksbühnendramaturgentochter ihren Literaturbegriff argumentiert, und wie alle drauf einstegen.
Wenn man in Neukölln in einer Familie von geklauten-Autoersatzteile-Händlern-und-Schraubern aufwächst, und die Zeiten heute eben so sind wie sie sind (Internet! Urheberrechte! Piraterei!), wird man trotzdem bestraft, wenn man dann anfängt, selber Autoteile zu klauen und zu montieren. Gut so.
(*Ich weiß, das ist widerlegt, das ist mir aber wurscht.)
luckystrike - 2010/02/09 10:56
Warum, brauch ich wohl nicht extra erklären:

luckystrike - 2010/02/01 12:34
Ich mein, welcher Sushi-Laden weist schon freiwillig darauf hin, daß die Hälfte schon verdorben ist?
luckystrike - 2010/01/31 12:38
Ausnahmsweise mal Abenddienst auswärts geschoben, relativ übellauning deswegen.
Schiebt sich eine korpulente ältere Dame, die grade bei mir am Ausgabetisch war, mit sichtlicher Mühe samt Krücke durch die Menschentraube zurück in meine Richtung.
Ohgott, Reklamation, denke ich noch, aber die gute Frau fragt: Sind Sie von (dieser Firma)?
Ähja, murmle ich.
"Ach, ich liebe (diese Firma), so nett und bequem und es klappt immer alles so gut, das finde ich so toll, ich bestelle immer alles bei Ihnen!"
Da hat sich das doch schon gelohnt, am Wochenende Extradienst schieben - ist ja immerhin (meine Firma).
luckystrike - 2010/01/30 21:22
"Sklave sitzt nacktärschig und p*mmelfrei mit kurzem, bauchnabelfreiem Strafhemd am PC"
schreibt ein 59-jähriger, der mich täglich liebevoll besucht.
Das Schlimmste: er ist auch noch aus Köpenick. Bjäh!
Ein anderer sucht nach eigenem Bekunden "GENSEITIGES ABWICHSEN (wenig erfahrung) " Naja, ist wohl Mikrobiologe. Dem würde ich raten, erstmal ein schönes Bad im Genpool zu nehmen.
luckystrike - 2010/01/28 21:42
An die senkrechten Schlaffalten, die sich über den Tag mittlerweile auch nicht mehr komplett aufploppen, hatte ich ja jetzt genug Zeit mich zu gewöhnen.
Jetzt hab ich neuerdings auch welche an meinem Dekollete. Eine ausgewachsene Frechheit!
Schlaffalten, häßliches Wort. Vorne schlaff, und hinten alten.
luckystrike - 2010/01/28 12:32
OMMMMM- holen Sie doch mal tief Luft. Nochmal, ganz tief, in sich hinein. Augen schließen. Wir machen jetzt eine kleine Reise, und machen uns das schön, kennen Sie doch, müssen wir doch eh immer.
Also:
Klebrig wachen Sie auf, das dünne Laken schweißgetränkt. Schon am frühen Morgen 25 Grad, set Tagen, ach Wochen, wo soll das noch hinführen?
Nackt gehen Sie auf den Balkon, auch hier kein Lufthauch, kein Windchen. Ins Bett kamen Sie erst gegen 4 Uhr morgens, zu heiß. Die Zeit bis dahin haben Sie zuerst in der O-Strasse vor dem Roses verbracht, mit fast nichts am Leib außer Shorts, weitem Hemd, FlipFlops und einem Caipi.
Zuhause ist die Wohnung noch zu aufgeheizt, also noch einen spanischen Weißwein mit viel Eis, oder zwei.
Zum Frühstück nur enen gut gekühlten Apfel, kein Kaffee, man will den Kreislauf ja ncht unnötig anheizen.
Die Dusche auf kalt, und nicht abtrocknen, sondern sich nass in den lichten Schatten auf den Balkon setzen.
Heute auf keinen Fall Unterwäsche. Aus dem Hemd noch die Ärmel rausschneiden, die Baggy Pants, FlipFlops. Herrlich, so ein Leben mit nur 3 Kleidungsstücken.
Beim Öffnen der Haustür schlägt Ihnen die Stadt mit über 30 Grad entgegen, stickig und staubig steht die Luft, der Verkehr ist zähflüssig. Ein junger Mann fährt mit nacktem Oberkörper, nur mit einer leichten Schweißschicht bedeckt, auf dem Fahrrad an Ihnen vorbei.
Auf dem Weg ins Büro viel freier Blick auf pralle Waden und Einsicht auf stramme Männerbrüste. Puh, ist das heiß! Atmen fällt schwer, und nass ist man auch schon wieder.
Im Büro steht die Luft, die Brühe rinnt nur so an einem runter, es hilft nichts, Füße in einen Eimer mit kaltem klaren Wasser.
Es hilft nix, die Stadt brütet, die Hitze brüllt, kein laues Windchen - also besten Freund geschnappt, raus aus dem Büro, Zwischenhalt Tanke, eisgekühlten Weißwein, an den See - Boote aufpumpen, Luftmatratzen, raus, ankern, und dann ab ins Wasser, nackt, und dort bleiben. Über Stunden.
Wenn es dann dämmert, und ein wenig frisch wird, wieder zurück in die Stadt, der warme Fahrtwind fühlt sich im Cabrio an wie Kalifornien. Gegen das Brüllen des Fahrtwinds kann man herrlich ansingen.
In der Stadt steht die Luft immer noch wie Aspik, Staub legt sich auf die feuchte Haut, also bleibt Ihnen nichts übrig, als im festlich indsch geschmückten Garten vom Mirchi noch was sehr Scharfes zu essen, und dann den Abend vor den Bars auf der Straße mit kalten Getränken zu verbringen. Die Hitze und die Nacktheit auf der Straße und die Erinnerung der Wellen auf der Haut macht lüstern, aber es ist viel zu schwül, etwas dafür oder dagegen zu unternehmen, also genießt man den Zustand.
Gegen 2 Uhr kommen Sie zu Hause an, aber das Bett ist noch viel zu warm, und ab hier können Sie wieder von oben anfangen zu lesen.
Vielleicht hören Sie dazu noch Fieber von Peter Fox. Oder von Bébé den Ska de mi Tierra (La Tierra tiene Fiebre!)
Na, hats geholfen?
luckystrike - 2010/01/27 11:41