Gestern abend mich mit einer imaginären, aber deftigen Ohrfeige zur Selbstbesinnung gebracht, als ich mich mit einer Lichterkette und Mini-Christbaumkugeln in der Hand an der Kasse des Supermarkts erwischt.
Und dann, zuhause, entdecke ich das grauenhafte, schlimme, wahre Übel: ich habe mich wieder vergriffen und dieses menschenverachtende Saison-Klopapier mit "Winterduft" gekauft, aus Versehen!
Gemerkt habe ich es erst, als ich mich wunderte, warum die ganze Wohnung nach Zimtimitat stinkt statt kaltem Rauch.
Ächz! Sowas sollte verboten werden!
Wer will denn um Himmelswillen, daß der Poppes nach Zimt & Bratäpfeln riecht???
Ich finde das ist ein Fall für den Europäischen Gerichtshof!
Wurde es uns weggenommen
oder ist es weggeschwommen
wird es einmal wiederkommen?
ach.
Würstel und Speck
alles weg
Schade!
(Cora Frost)
Ein wenig wund heute, gestern Spontan-Dinnerdate mit dem letzten Ex - vor 9 Jahren und 10 1/2 Monaten haben wir uns das erste Mal gesehen.
In den zwei Jahren, die wir zusammen waren, haben wir und anscheinend so gründlich gegenseitig geschädigt, daß keiner von uns mehr eine weitere Beziehung auf die Reihe bekommen hat, gut, bei mir kam ja auch noch der Burnout dazwischen.
Es ist schön, wieviel Nähe und auch Liebe nach der Trennung und ein wenig Quarantäne heutzutage möglich ist, auch wenn die Bilder, wie man die Geschichte erlebt und eingeordnet hat, kaum mehr aufeinander passen - erstaunlich, wie Selbstbild, wie selektiv Erinnerung auf beiden Seiten funktioniert.
Und doch, es bleibt die Frage, was wäre, hätten wir die Krise damals irgendwie gemeistert oder einfach ausgesessen. Vielleicht hätten wir heute eine Hausgemeinschaft, und ein, zwei Kinder.
Wo sind die Tränen von gestern abend, wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr? Erinnert man sich in einer 30jährigen Ehe noch an den Streit, die Krise vom Jahre Schnee?
Es hat zwar bis 3 Uhr gedauert, aber nach langem Hin und Her konnten wir dann immerhin ein vorsichtiges "Schade" gemeinsam verabschieden. Immerhin.
Wahrscheinlich sollte ich mir ernsthaft Gedanken über Mundgeruch machen, wenn die Zahnärztin, als sie nach einer längeren Behandlung den Mundschutz abnimmt, dicke weiße Ränder unter der Nase hat, genau wie so ein Bestatter über einer gut abgelegenen Leiche.
ich hoffe, es lag nur an dem Abendessen, da hatte ich vergessen, daß ich am nächsten Tag so einen Termin habe.
Neulich ein Auto vor mir gehabt, von einer Hausverwaltung, bewarb die gleichnamige Website: www.dominanz2000.de.
Was ein glücklicher Name für den wohl beklopptesten "Dienstleistungs"bereich ever!
Wollnwer da nicht nen Mieterselbsthilfeverein gründen, vielleicht www.aufdiefresse3000.de?
"N.N. nutzt die Unfähigkeit, singen und tanzen zu können, so virtuos wie noch nie"
(Tagesspiegel)
Den merk ich mir für mein Premierenrepertoire!
Der ist fast so gut wie "N.N. in ihrer natürlichen Häßlichkeit"
(Und wie gut, daß ich mich kurzfristig entschlossen hatte, am Sonntag dann doch zu privatisieren)
Ich kam mir schon ziemlich kinderschänderisch vor, aber wenn die beiden Weiber, die eigentlich die Erziehungsberechtigten darstellen sollten, einen auf neues Lesbenpaar machen, nur zum Spaß natürlich, was aber trotzdem Gelegenheit machte für das Szenario mit dem menschlichen Büffet und der Spaghetti Bolognese (fragen Sie mich nicht, ich hab es auch nicht verstanden), dann lag da wohl nicht nur der Geburtstag des 18-jährigen in der Luft.
Und so kam es, daß das Geburtstagskind mittem im Würgeengel den Pulli lüftete, um zu zeigen, daß er der männlichere der beiden sei, wobei der Ramones-Aufdruck des T-Shirts dafür nur der eindrucksvollen Beweiskette war. Und das kam daher, daß der andere grade Volljährige ein Ernie-und-Bert-T-Shirt trug, was mich zu der Bemerkung vom berühmtesten Schwulenpärchen verleitete.
Letztere zog dann ganz naiv auch ganz blank obenrum, als ich ihm sagte, er solle mir doch seine Hautkrankheit mal zeigen, von der er grade erzählte. Ob er dachte, ich hätte die passende Salbe dabei? (Und nein, lieber Glam, an dieser Stelle steige ich aus!)
Jedenfalls, es geht doch nix über die testosteronbritzelnde Körperhaftigkeit von Spätpubertierenden, auch wenn dieser schlimme alte Finger sich hinterher ganz schmutzig und verderbt fühlte.
Draußen schneits, argh.
Von Montag bis Mittwoch in Besprechungen gesessen, alle wichtig und nutzlos zugleich, während im Büro die Hauptsaison tobt und meine rechte Hand krank ist.
Im Halbstundentakt in nicht angekündigten Telefonterminen auf diversesten Themenkreisen wichtige Weichen gestellt, die Strategien für die nächsten 3 oder 5 Jahre mehr oder weniger aus dem Arsch gezogen, aber hinterher gestaunt, wie gut sie sind. Was ein Glück, daß anscheinend das Unterbewußtsein wenigstens gründlich vor sich hin arbeiten kann.
So manche Probleme lösen sich gar selber - gestern zwischendurch ein netter Anruf, desses Info einen häßlichen Rechtsstreit unnötig werden läßt und ein fettes fettes Problem sich selbst lösen läßt, der nächste Anruf macht eine mühsame schwierige Anfrage unnötig.
Tobe von Termin zu Termin, kaum vorbereitet und nur in eigenem Saft, während sich drumrum der Rest von selbst klärt.
Welt und ich drehen momentan wohl in dieselbe Richtung, toi toi toi.
Aber boah, ist das anstrengend! Mittwoch dachte ich, ich kriege Grippe, war aber nur komplett erschöpft.
(Und wenn ich momentan kaum zu einem Freizeitdate zu überzeugen bin, sehen Sie's mir bitte nach, sind Feldherrentage grade, komme kaum vom Roß runter.)
"Wie würden Sie denn aktuell Ihr Lebensgefühl beschreiben?"
"Ach, seit Ende August bin ich relativ stabil ganz zufrieden mit mir und meinem Leben."
"WAS!!!??"
"Ja, so zu 70, 80% ganz zufrieden"
"Herr Lucky, sowas hab ich ja noch nie von Ihnen gehört - dann sind Sie ja jetzt aus dem Gröbsten raus!"
Ist wirklich wahr, nach dem 4-Wochen-Urlaub im Sommer hatte ich zwei, drei schwere Wochen, an denen ich jeden Abend heulend zuhause gesessen habe, und dann jene entscheidende Sitzung, an der das letzte Puzzlestück an seinen Platz fiel, ein ganz unspektaktuläres Puzzlestück, eines, das ich ich schon ganz oft in der Hand hielt, aber anscheinend war die Zeit noch nicht richtig dafür.
Seitdem spreche ich von einem neuen Lebensabschnitt, jetzt schon 3 Monate stabil. Was eine Wonne, ohne Depressionen, die Ängste halten sich in Grenzern, und ich muß nicht mal jedesmal würgen, wenn ich mal an einem Spiegel vorbeikomme.
Das waren lange 10 Jahre - fünf Jahre, um sich ordentlich in den Burnout reinzuarbeiten, ein Jahr Annus Horribilis, und dann vier Jahre, um sich aus dem Schlamassel wieder rauszugraben. Ganz schöne Strecke, aber, und deswegen schreibe ich das hier, es ist zu schaffen!
Ich war eigentlich eh schon immer antizyklisch, jetzt eben wohlig im November.
Jetzt kann es also weitergehen, das Leben.