Sonntag, 11. Mai 2008

Fatale Trendkombi

Ich bin mein ganzes Leben lang noch nicht gerne unter Autobahnbrücken druchgefahren, nicht erst seit Oldenburg. Wahrscheinlich weil ich mir den Kitzel ganz gut vorstellen kann, da mal eben kurz was runterzuwerfen.

Und neuerdings sind die überforderten Mütter schon zu faul, ihre Kinder anständig im Balkonkasten oder in der Tiefkühltruhe aufzubewahren, sie schmeißen sie einfach vom Balkon.

Wen wundert es also, daß mir heiß und kalt wurde, als ich auf der Autobahn eine Mutter auf der Autobahnbrücke sah, die ihr Kind im Arm über die Brüstung hielt?

Montag, 5. Mai 2008

Mutter

Was man meiner Mutter nicht vorwerfen kann, ist daß sie ein Messie sei, im Gegenteil, sie hat eher zu viele Sachen weggeworfen als zuwenige.

Was man ihr dagegen wirklich vorwerfen kann, ist daß sie gestorben ist. Als ich den letzten Beitrag am Freitag geschrieben habe, war sie schon tot. Eine Stunde lang.
"Plötzlich und unerwartet", wie man so standardmäßig sagt. Mitten aus dem vollen Leben, ja das kann man auch bei einer fast 81-jährigen sagen.

Ich weiß noch nicht. Wie es mir geht. Ob es mir geht. Die Riten und das Organisieren haben einen Zweck, sie halten die Menschen davon ab, ins Loch zu fallen.

Wenn es möglich ist, im Schlimmsten, das passieren konnte, viel Schönes zu finden, so ist das jetzt so. So viele Menschen, die beitragen, da sind, nah und fern, gute Wünsche, Gedenken, Worte nur, aber Worte, die helfen, es hilft, daß man weiß daß andere an einen denken.
Hier sind auch vele Menschen, immer da, alle schockiert. Meine Mutter hat Menschen gesammelt. Die häufigsten Worte, die ich hier höre, sind: "Wo gehe ich denn jetzt hin?" Für jemand in Not, in Leid, zum Reden, für Spaß.
Es ist schön zu sehen, daß meine Mutter ein knallvolles, buntes, gut aufgehobenes Leben hatte, mittendrin. Ich wußte es ja immer, aber jetzt hilft es, so wie sie ihr Leben um sich gebaut hat. Es trägt, auch uns.

Freitag, 2. Mai 2008

Messiemutter zum 1. Mai

Wenn man am 1. Mai nur eben abends mal ins Kino will und in Kreuzberg wohnt, dann ist der schnellste Weg niemals der kürzeste, denn die Polizei hat alle Straßen abgeriegelt, und schickt einem im Kreis. Der Einsatzleitung wär ja mal das System zu empfehlen, das in Telefonanlagen auch die Weiterleitung im Kreis unterbindet.
Jedenfalls, man kann auch über Treptow zum Kottbusser Damm kommen, um ins Moviemento zu gehen. Wir wollten Sieben Mulden und eine Leiche sehen, bei Herrn Antiteilchen war ich drauf aufmerksam geworden.
Im Moviemento war ich schon seit gefühlten 100 Jahren nicht gewesen, und ebenso lange ist dort wohl nicht gelüftet worden, was sich als unglückliche Kombi mit dem gewählten Film herausstellen sollte.

Ein Schweizer Dokumentarfilm, der erzählt, wie zwei Brüder um die 40 die Wohnung ihrer Mutter ausräumen, nachdem diese wohl schon länger tot lag (und außerdem eine Fußbodenheizung und Katzen hatte.) Eben diese Mutter war, wie wohl schon ihre Mutter vor ihr, außerdem Messie und hortete alles aus ihrem 70jährigen Leben in ihrer Wohnung. Ene schöne Frau aus guter Familie, mit guter Bildung, Dolmetscherin, dann Wirtschaftsanwaltsgattin, später geschieden, die sich mit 60 noch liften ließ, um dann mit 70 alleine in ihrer vollgemüllten Wohnung zu verrecken.

Beim Aufräumen findet sich die Biographie von 3, fast 4 Generationen einer Familie zusammen, fast ein Jahrhundert, eine wohlhabende, mitunter fast jetsettende Familie, und das kleine Ende des einzelnen kleinen Lebens in Form einer Lache aus Leichensuppe auf von unten beheizten Steingutplatten. Die dann mit dem Spachtel entfernt werden muß.

Ironisch, oft witzig trotz des Grauens, distanziert, räumen die beiden Brüder über 4 Wochen das Messieuniversum ihrer Mutter aus der Wohnung, Schränke, Schränke, Schränke, Super-8-Familienfilme, Wohnungsverschönerunganleitungen aus den 60ern, Katzenfotos, sieben Container (das sind die 'Mulden' aus dem Titel) voll. Nichts bleibt ungelüftet.
Was ich aber angesichts des Abstands und der Ironie, die die beiden Brüder einnehmen, vermißte, ist ein Innehalten, eine Erklärung, warum das Verhältnis zur Mutter wirklich so distanziert ist, oder auch ein Innehalten, ein Zweifel, vielleicht auch Trauer, ein wenig Mitleid mit der Toten inmitten des massenhaft gestapelten Grauens der Wohnung.
Dem Messiesyndrom kommt man nicht wirklich auf den Grund.
Aber auf jeden Fall ein Film, der verstört und berührt, zum Nachdenken bringt. Und duschen will man auch hinterher, dringend.

Was die aufmerksame Polizei am 1. Mai nicht so einfach macht, hat man doch beschlossen, nunmehr Kreuzberg komplett abzuriegeln. Auch von Treptow kommend, muß man mit dem offensichtlich nicht aus Berlin kommenden Polizisten verhandeln, daß man doch jetzt bitte aber endlich nach Hause will. Nein, er hat auch nichts von Unruhen in meiner Ecke mitbekommen, und so läßt er mich letztendlich dann doch durch, nach Hause, unter die Dusche, wo ich den olfaktorischen Muff des Moviementos, der sich so perfekt mit dem optischen Terror des Films verbunden hat, endlich abwaschen kann.

Mittwoch, 30. April 2008

Billig Spaß!

Sagen Sie einen Befehl
Arschloch!
Wiederholen Sie bitte! (leicht verschnupfte Stimme)
Drecksau!
Nicht verstanden (Die lügt! Die hat genau verstanden!)

So hatte ich gestern abend anderthalb Stunden Spaß mit der Sprachsteuerung meines Handy. Gelacht bis die Schwarte weh tat.

Probieren Sie's mal! Froh zu sein bedarf es wenig!

Dienstag, 29. April 2008

Die Zeit der kleinen Wunder

Jaja, Sie haben richtig gelesen, Wunder, nicht Wunden, auch wenn das untypisch ist für dieses kleine Schmutzblog hier.

Es gibt nicht viel zu berichten, Herr Lucky ist beschäftigt damit, die kleinen Wunder zu genießen, wie den blühende Apfelbaum auf der Terrasse, den Vanilleduft des Goldlacks, den ersten kleinen Sonnenbrand des Jahres, einen Abend mit einem unwahrscheinlichen neuen alten Freund, und überhaupt. Zufriedenheit ist das neue Glück.

Seltsam, daß Elend für ein Blog so viel ergiebiger ist. Aber da muß das Blog mal eben leiden, für eine Zeit.

Aber nehmen Sie doch ruhig mein Mantra dieser Tage zur Kenntnis:

(Ja, der Anfang hört sich ein wenig schaurig an)

Freitag, 25. April 2008

Frühling - am Arsch! oder: Kimmenkucken

Herrschaften, dieser Tage müssen Sie besonders im Straßenverkehr aufpassen. Wegen der großen hormonellen Verwirrung großer Teile der Bevölkerung.
Geblendete graue Rentner rennen vor Pfosten, Bauarbeiter fallen aus den Gerüsten beim Versuch, einen Blick in die unten vorbeilaufenden frisch entblößten Dekolletés zu ergattern, und Autofahrer haben ihre Augen überall, nur nicht auf der Straße.

Gestern hatte der Herr Lucky eine herrliche Anfahrt zum Büro aufgrund der vorherrschenden Herrenmode: Jeans, die beim Laufen auf Halbmast des Arsches sitzen, geben bei Radfahrern ein sehr hübsches Bild ab, und so fuhr er nicht wirklich konzentriert.

Füllige Ärsche, dürre Ärsche, nackte oder haarige Ärsche, vorgebräunte oder rosa Ärsche, muskulös oder flabberig, eine wahre Parade von Männerärschen wogte auf den Radwegen wie eine Revue aus mehr oder weniger üppigen Dirndl-Ausschnitten umher und sorgte für große Erheiterung Unkonzentriertheit Inspiration.

Dazu noch die ersten noch bleichen, aber teils recht strammen Waden, rasiert oder unrasiert. Hach!

Frühling, ick komme, ick bin mit bei.

(Bemerkenswert: Früher hätte in diesen Zeiten an dieser Stelle ein Beitrag in der Rubrik "Was geht mich der Frühling an!?" gestanden. Sexual Healing in Progress. I guess. I hope.)

Donnerstag, 24. April 2008

Platz

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Prima, dann hab ich ja noch Platz hier, die schreib ich auch noch alle voll.

Aber nicht heute.

Beim bisherigen Tempo dürfte das dann ca. 27 Jahre dauern. Reicht dann wohl für dies Leben.

Oder ich klatsche das noch mit Fotos voll, z.B. könnte ich eine Fotoserie "Der Bettfriseur" (TM die Frau Gräfin von 500Beine) machen, weil meine Haare mal wieder viel zu lang sind und ich jeden Morgen anders schlimm aussehe. Wenn dann noch die nächtliche Arbeit des Bettvisagisten dazukommt.
Aber ich veröffentliche hier ja keine Bilder von mir.

Mittwoch, 23. April 2008

Flughafen am rechten Fleck

Mir war ja grundsätzlich absolut klar, wofür ich am Sonntag abstimme: PRO Tempelhof, keine Frage.

Warum? Angeborene Renitenz, das gute alte Westberliner Berlin-Berlin-Gefühl.
Und weil ich Schönefeld abgrundtief hasse und verachte. Allein der Weg dorthin. Eine Weltreise. Gut, die Autobahn ist fertig, aber Parken ist teuer, und man kann kaum einfach in einer Nebenstraße parken. Taxi kommt auch ziemlich teuer.
S-Bahn fällt aus, weil ich nach einem schönen Urlaub nicht gleich in einer Horde aasgesichtiger Eingeborener oder gar Faschobanden durch No-Go-Areas gefahren werden will, das hat mir letztes Mal innerhalb von Minuten das ganze Urlaubsgefühl zertrümmert, wenn auch gottseidank keine Knochen.
Und natürlich das geile Gefühl, gleich vom Flughafen ins Flugzeug zu steigen, oder umgekehrt, bei einer Ankunft in Tempelhof kam man sich vor wie JFK oder in einer Szene von Billy Wilders 'Eins, zwei, drei.'
Genaugenommen bin ich allerdings erst einmal von Tempelhof geflogen, nach London Docklands. Damals mußte man nur 10 Minuten vorher da sein. In die U-Bahn, Fliegen, ankommen, abgeholt werden: ich war in anderthalb Stunden von Haustür zu Haustür. DAS nenne ich ein kosmopolitisches Lebensgefühl!

ABER: Wer alles dafür ist, das ist definitiv unsexy. Das wäre das erste Mal in meinem Leben, daß ich einen CDU-Standpunkt unterstütze, was mir sehr unbehaglich ist. Ich, der ich zu 99% auch dem attraktivsten CDU-Anhänger Geschlechtsverkehr aus Gewissensgründen verweigern würde. (Ausgenommen derer, die ich vorher nicht gefragt habe...)
Und diese Kampagne, die ist mir zu fett. Zu viel Geld dahinter, wer steuert das aus welchen Interessen bei? (nicht daß die 'Ich fliege uff-Berlin'-Kampagne nicht peinlich gewesen wäre) Postwurfsendungen, Megaplakate. Nein, ich möchte nicht mit sowas zugeschissen werden.

'Nein' werde ich aber definitv nicht stimmen. Entweder ignoriere ich die CDU und folge meiner Renitenz oder ich gehe gar nicht erst hin.

(Ist ja auch noch die Frage, ob die Volksabstimmung überhaupt etwas bewegen kann, oder ob es nur Zierdemokratie ist, ein funktionsloser Spoiler am Heck des hauptstädtischen Nissan)

Dienstag, 22. April 2008

Wie geleckt!

Heute nacht habe ich geträumt, wie ich zuerst den Hals von Alanis Morrissette beknutsche, da wo sie einen zauberhaften Leberfleck mit Haaren drum hat.

Danach habe ich im Traum sogar noch an einer Muschi geleckt, ich weiß auch von wem, aber das sag ich hier nicht, kennt ihr eh nicht. War nicht eklig, aber trotzdem! Bitte!

Das wollten Sie nicht wissen? SehnSie, ich auch nicht, aber dazu sind Blogs da, man teilt ja gern.

Schuld an solchen Träumen sind wohl der Glam mit seinen Muschileckwitzen, unfreiwilliges Hören von Genitalherpes samt gedanklicher Visualisierung, Cameron Diaz in diesem Ben-Affleck-Video und wahrscheinlich Ally McBeal Callista Flockheart (ich gucke zur Zeit am Stück Brothers & Sisters, sehr schön), obwohl da gar kein Lecken vorkommt. Aber wenn die sich noch mehr schönheitsoperieren läßt, sieht sie am Ende total aus wie einer dieser mutierten Goldfische, ich glaube Schleierschwänze heißen die.
Schleierschwanz, auch komisch. Aber Kurve gekriegt!

Was sonst? Ach ja:
Der Preis für die schönste Überschrift in dieser Woche geht an Frau Fragmente: "Das Glück ist eine lädierte Katze"
(keinerlei Zusammenhang mit obigem)

Und Herr Pheerce scheint endlich die perfekte Art für sein Blog gefunden zu haben: Reduce to the Max! Eigentlich alles, was ein Blog braucht: Hello World! Mehr als laut Winken sind Blogs ja meistens eh nicht.
(Außerdem kommt es ihm sicher sehr entgegen, er hat ja eh nicht so gern in sein Blog reingeschrieben)
logo

lucky strikes

the sacred and the profane

So viel Rauch, so wenig Feuer?

Du bist nicht angemeldet.

Rauchzeichen an:

luckystrike-ätt-wolke7-punkt-net

kiekste, wa?

fingerhut31

Schall & Rauch:

merci!
merci!
luckystrike - 11. Mai, 23:48
Fatale Trendkombi
Ich bin mein ganzes Leben lang noch nicht gerne unter...
luckystrike - 11. Mai, 23:48
Lieber Herr Lucky, ich...
Lieber Herr Lucky, ich denke an Sie und an diesen...
Polaris (anonym) - 8. Mai, 20:23
Ihr Lieben, vielen Dank...
Ihr Lieben, vielen Dank für die Anteilnahme und...
luckystrike - 8. Mai, 13:14
Lieber Herr Lucky, das...
Lieber Herr Lucky, das Leben ist voll von Abschieden,...
feinstrick - 8. Mai, 09:10
herr lucky, "plötzlich...
herr lucky, "plötzlich und unerwartet" oh wie...
maria laach (anonym) - 6. Mai, 23:57
Deine Mutter
muss eine tolle Frau gewesen sein. Ich habe in solchen...
larousse - 6. Mai, 20:16
Lieber Lucky, die Riten...
Lieber Lucky, die Riten halten uns davon ab ins Loch...
Frau A. - 6. Mai, 12:05

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