Zuerst war es der Vorweihnachtsstreß, dann wolte ich nur mal ein paar Wochen meine Ruhe haben, dann war es eine Depression, dann genoß ich es einfach mal meine Ruhe zu haben ohne depressiv zu sein, dann weder eine kleine Depression, dann einfach wieder schön, meine Ruhe zu haben - Fakt ist, daß ich seit Anfang Dezember niemanden angerufen geschweige denn zurückgerufen habe.
Was wiederum mittlerweile dazu führt, daß mich auch niemand mehr anruft, und so habe ich meine Ruhe und genieße das.
Kann von mir aus noch eine ganze Weile so weiter gehen.
Ich liebe meine Bäckereifrau nebenan, nicht nur, weil sie immer so "Hi" ruft, als ob sie sich immens freut, daß gerade ich gerade jetzt reinschneie, oder weil sie mir immer ein zweites Stück Rosinenkranz in die Tüte schmuggelt, das ich immer auf der Arbeit verfüttern kann, sondern auch, weil sie manchmal betörend schön zurechtgemacht ist, als ob sie gleich in einem Bollywood-Film mitspielt, und manchmal so aussieht, als ob sie die ganze Nacht mit Lindsay Lohan Crack geraucht und Blowjobs für'n Fünfer verkauft hat.
Gestern dann:
"Oh, das sieht aber gut aus"
(Sie hat offensichtlich ein ständiges Thema bezüglich Blondieren mit ihren Kolleginnen, in das ich immer mal wieder involviert werde)
"Wie, was denn???"
(Sie macht eine Handbewegung um den Kopf) "Was hast du gemacht?"
"Oh, äh, nix. Gewaschen, gewaschen hab ich sie."
"Oh, gewaschen!"(Betretenes verschämtes Schweigen)
Worauf ich prusten muß und einen schlimmen Lachkrampf bekomme, und schon ist der ganze Laden am Lachen, inklusive der alten türkischen Männer.
"Na Glückwunsch, da bist du ja gleich in den ersten Stunden des neuen Jahrs in der besten Homobar der Stadt gelandet!" erkläre ich dem freundlich interessierten Hetero aus Süddeutschland.
"Homobar!????"
"Ja, wenn auch eben tolerant und aufgeschlossen!"
"Homobar??? Guck dich doch mal um!"
Und recht hat er mit seinem Dialekt, die Lieblingsbar ist gestopft voll - mit Heteros, vor allem Pärchen. Vor allem von auswärts. Macht aber nichts, wir sind ja tolerant und aufgeschlossen, und aufgekratzte Heteros sind eh lustiger als Durchschnittshomos.
Ansonsten scheint auf mir an Neujahrsmorgen der Fluch des Hellblau-Feingestreiften zu liegen, in diesem Jahr in Form eines blonden Gemischtgeschlechtlich-Liebenden, der ein eben solches Hemd bis oben zuknöpft trug. Ein solches Hemd geht gar nicht, nicht im Büro und schon gar nicht in der Silvesternacht, aber immerhin hatte es keinen weiß abgesetzten Kragen, und so bat ich ihn um einen Gefallen - er möge doch bitte sein Hemd einen Knopf weiter aufmachen. Sichtlich erfreut über so viel Aufmerksamkeit kam er meinem Wunsch sofort nach, müßte aber feststellen, daß das seiner Sabine (sie hieß wirklich so, ich kann da nix für, und vermied den Rest des Abends Augen- oder Sprachkontakt mit mir) erheblich mißfiel. Aber jedesmal, wenn sie den Aufgeknöpften wieder zuknöpfte, mußte ich ihn wieder aufknöpfen, bis er so wild war, einen weiteren Knopf aufzuknöpfen und mit mir knutschen (oder Schlimmeres) wollte.
Aber auch Schwule, so dekorationsfreudig sie auch sein mögen, haben ihre Grenzen, sogar am Neujahrsmorgen.
So, fast noch ganz frisch liegt es da, das neue Jahr, das sogar auch noch ein ganz neues Jahrzehnt ist, so ganz nebenbei.
Überall stapeln sich die Jahresrückblicke, und man ist sich im großen und ganzen einig, daß das vergangene Jahr ein schlimmes, mitunter gar bösartiges war, und auch, daß das neue Jahr dagegen ganz bestimmt gut und wunderbar wird.
So oder ähnlich steht es auch bei mir hier im Blümchenblog, und auch sonstwo gibt man sich viel viel Mühe, die berühmte Erbse unter all den Polstern zu finden.
Komplett vergessen dabei wird, dankbar zu sein - daß es nicht noch viel schlimmer gekommen ist, daß man zum Beispiel Arbeit und Wohnung und Freunde hat, sich lecker was kochen kann, wenn man Lust hat, und generall mit seinem Leben anfangen kann, was man will - und überhaupt: daß man am Leben ist!
Und so kann man sich zum Beipiel mit dem besten Freund einen wunderbaren Silvesterabend machen und frühmorgens noch in die Lieblingsbar gehen, und alle Menschen freundlich anlächeln und ein Happy New Year wünschen.
Lach, und die Welt lacht mit dir, wein, und du schläfst allein (Dank an Georgette hierfür.) (Bin allerdings doch allein nach haus gegangen, warum auch nicht?)
Ein Jahr ist nicht schlecht oder gut, ein Jahr IST.
Und meint es selten persönlich.
Man kann es finden, gut oder schlecht, aber das kann man sich weitgehend aussuchen.
Machen Sie was draus, es liegt an Ihnen!
HAPPY NEW YEAR - HAPPY NEW DECADE!
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(Lachen Sie nicht, das ist kein Tier aus der Sesamstraße, sondern Lauren Bacall, wie sie singt und tanzt, in dem ziemlich mißglückten Musical "Applause" nach "All about Eve." Oder doch - lachen Sie!) Und ja - sie landet in einer Gay Bar. Who doesn't?
In meiner Küche schimmelt seit Tagen eine Ananas und die Schalen der Pellkartoffeln von x sind auch nicht mehr braun. In der Ecke sammeln sich die leeren Weinflaschen seit (will ich jetzt auch nicht wirklich wissen.) Unter dem Wohnzimmertisch stapeln sich die benutzten Teller, und das Waschbecken im Bad ist auch mal weiß gewesen, das weiß ich genau. Hinten im Auto liegt seit letzter Woche die neue elektronische Zahnbürste, auf die ich mich gefreut hatte, und noch irgendein nützliches elektrisches Gerät, ich komme aber grad nicht drauf, welches.
Es ist Hauptsaison auf Arbeit, oberstes Gebot: genug Wasser trinken tagsüber und gelegentlich einen Happen essen, überleben ist alles, leben ein andermal.
Aber abends, wenn man wirklich nichts mehr sehen und sagen und hören will, dann gibts Serien, so als Lebenssimulation. Aktuell Brothers & Sisters, dritte Staffel. Das ist eigentlich dasselbe wie Dallas oder Denver, nur in zärtlicherem kalifornischen Licht, mit Ökolebensmitteln und Rotwein statt Öl als Handelsware, kleineren Frisuren und ohne Schulterpolster.
Man steht voll im Leben (anderer fiktiver Menschen) und braucht aber selber nicht ran. Ersatz eben. Erleben ohne Leben - was eine tolle Erfindung!
Allerdings habe ich mich auch schon auf Parties dabei ertappt, vorspulen zu wollen, beim Gang auf Klo oder in Küche Pause drücken zu wollen oder auf direkte Ansprache nicht zu reagieren.
gehts heute, noch ein bissel wackelig und angeschlagen.
Naja, ich versuchs mal, nach Hause fahren kann ich ja immer noch.
Aber ich halts hier auch nicht mehr aus, so ganz auf mich und mein Sofa geworfen.