Samstag, 24. Mai 2008

Deathwish auf Rädern?

Diese Woche kam ich auf dem Weg zur Arbeit an einem Unfall vorbei, Fahrrad gegen Auto oder vice versa. Sah extrem schlimm aus, man konnte nicht richtig unterscheiden, welche Teile zum Radfahrer und welche zum Fahrrad gehörten, es lag nur eine Masse aus Mensch und Metall auf der Straße.

Nun weiß man nicht, was da passiert ist, und wer schuld hatte, aber es hat meine Wut nur gesteigert:
Ich bin eigentlich ein recht besonnener und umsichtiger Autofahrer. Zu oft habe ich eine Vison, was passiert wäre, wenn ich das kleine Kind am Straßenrand nicht rechtzeitg gesehen hätte, oder nicht vorsichtshalber schon mal wegen dem Fahrrad gebremst hätte. Da wird mir dann immer ganz schlecht bei.

Wütend macht es mich dann aber ganz massiv, wenn die meisten Radfahrer von Schulterblick bei Spurwechsel, Anhalten und Gucken beim Abbiegen, mal so sacht andeuten, wo sie hinwollen, entweder noch nie was gehört haben oder nichts davon halten. Am besten mit Kleinkind im Kindersitz oder links ein Handy am Ohr und rechts ne Bierflasche.
Der Glauben an persönliche Schutzengel scheint sehr sehr weit verbreitet zu sein.

Kinners, wenn ihr sterben wollt, das ist euer Ding, nehmt Pillen, schneidet euch in der Badewanne die Pulsadern auf (längs, nicht quer!), während ihr in der anderen Hand den Fön haltet, aber ich bin nicht der U-Bahn- oder Straßenbahnfahrer, vor dessen Zug ihr euch schmeißt.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Please, Officer!

I don't want to go to jail!
Please, Officer!
I'll do anything...!

Wer mal eine Horde strammer Burschen sehen will, der begebe sich zur Polizei in Friedrichshain, dort lungern sie im Kasernenhof herum und sonnen sich.
Frisch inspiriert durch einschlägige Pornofantasien durchschreite ich den Hof und denke noch, hier könnte man zwischen Bullenwannen und dem recht abgehalfterten Pommesstand, der zur Verköstigung der Burschen bereit steht, einen nicht jugendfreien Film mit Gruppenszenen drehen.
Handschellen! Hormongebeutelte Zellengenossen! Zwangshomosxualität! Härteste Verhörmaßnahmen! Miß Gitterstab! (Gitta Stab? Wer war Gitta Stab?)

Im 2. Stock soll mein Verhör sein. ich öffne die Tür und mein Blick fällt auf einen athletischen blonden Traum im engen T-Shirt, seine vollen Lippen öffnen sich zum 'guten Tag' während die blauen Augen unter den niedlich zusammengezogenen Augenbrauen streng aufblitzen.
Think Wentworth Miller.

"Herr Lucky?" erklingt es aus der anderen Ecke des Raums, mein gut abgehangener Zuständiger ruft mich freundlich an seinen Tisch, Ende 50, mit Oberlehrerbart, und gut erhaltenem Ostshirt.

Jo, und dann war es vorbei mit der Phantasie.

Frisch gefickt - Tag für Tag

(aus einem Chat in der blauen Welt, Verabschiedung in den Tag )
so poppes ist sauber, der tag kann kommen. wahrscheinlich wird er mich ficken, es wird ein harter tag.
(ob ich hätte spülen sollen?)


keinsex

Nun, geh ich jetzt erstmal zur Polizei in Friedrichshain. Man hat mich wegen Betrugs angezeigt, ausgerechnet, albern, Blödsinn. Immerhin, meine erstes Verhör Anhörung. Doll.

Ich Bückstück.

Montag, 19. Mai 2008

I know it's over

...still I cling
I don't know where else i can go
Over over over...
(The Smiths)


Ich kriege langsam aber sicher das Gefühl, daß Bloggen tot ist.
Gut, einige der geschätzten Kollegen stellen immer noch mehr oder weniger regelmäßig Texte ins Netz, auch sehr schöne dazu. Bei vielen werden die Intervalle aber immer länger dazwischen.

Die Zeiten aber, wo man gespannt auf die eigene oder andere Seiten geklickt hat, um zu sehen, was sich getan hat, wer wie kommentiert hat, um dann wieder seinen Senf dazuzugeben, so daß sich mitunter herrlichste Dialoge ergaben, die sind vorbei. Man twittert wohl.
Meine Besucherzahlen sind nur noch ein Drittel von dem was sie einmal waren, und auf meinem morgendlichen Rundgang durch meinen Blogkiez, den ich immer noch zu Fuß und nicht per Feedreader unternehme, komme ich mir zunehmend vor wie ein Clubbesucher, der verpaßt hat, mit allen anderen zum nächsten, heißeren, neueren, angesagteren Club weiter zu ziehen.

Sonntag, 18. Mai 2008

Size does matter

Heute vor einem Jahr, in einem beeindruckenden Einsatz nach dem Motto 'Jugend forscht', hat Frau Kitty im sozusagen Selbstversuch eindrucksvoll bewiesen, daß XXL bei Keksen nicht dasselbe ist wie bei Fleischwürsten oder deren menschlichen Anverwandten.

Ich hätte ja nie gedacht, daß so ein richtig dolles Mannesding(-dong) dann auch noch mehr wiegt als ein halbes Pfund.

Freitag, 16. Mai 2008

Schäume - blutrot

Wenn man den ersten Teil der Nacht damit verbracht hat, fast all seinen ehemaligen Klassenkollegen mit einem Vorschlaghammer die Schädel zu zertrümmern, weil sonst grad nichts zur Hand war und sie sich dauernd in gefährliche Zombies verwandelten, und den zweiten Teil der Nacht damit verbracht hat, ein Heer komplett unbeeindruckbarer, renitenter und arroganter Arschloch-Heimverschönerungsdesigner (ohne Hilfe eines Vorschlaghammers) aus dem Haus zu jagen, dann blinzelt man in den ersten Stunden dem schönen neuen Tag ganz und gar nicht vertrauensvoll entgegen.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Der perfekte Pressetext

siehe hier:

basket

"Die Künstlerin Raeda Sa'adeh aus Palästina präsentiert ihre Performance 'Basket'"

A Basket Case?

Drin ist, was draufsteht!

(Und sorry, meine Kamera ist kein Scanner)

Dienstag, 13. Mai 2008

Das gepflegte Leben

Eine Schale Primeln auf der Haustür, von der zu frühen Hitze ein wenig gebeutelt.
Eine Rhabarber-Streuseltorte, frisch gebacken und halb gegessen, die geschlagene Sahne im Kühlschrank. Ein Stück mehr fehlte seit dem letzten Besucher am Vorabend, sie muß vor dem zu Bett gehen noch ein Stück genascht haben.

Das Haus glänzt und duftet, sie hat in den letzten Wochen einen kompletten Hausputz gemacht, alle Fenster geputzt, alle Schranke sortiert und ausgewaschen, alle Dinge geordnet. Alle Blumen gegossen, keine welke Blüte und kein welkes Blatt auf den Fensterbänken.

Anfang Mai ist die Welt am schönsten, die Welt duftet nach Honig von den Rapsfeldern, die Gärten sprechen von Hoffnung und Fruchtbarkeit, Wiesenschaumkraut, Löwenzahn und Gänseblümchen auf den noch ungemähten Wiesen, alle Pflanzen stehen am Anfang, noch nicht von der Sonne verbrannt oder von Ungeziefer zerfressen, und noch nicht von Staub verdreckt.

Irgendwann muß sie angefangen haben, die Unmengen von Fotos in Alben zu sortieren, die Familienfotos, die sie jahrelang nicht aus dem Schrank holen konnte, die mit den vielen Toten drauf.

Kein Nachbar, kein Freund, keiner in der Familie, der sagt, oh, wir wollten doch noch, oder oh hätte ich doch noch.
Sondern 'Gestern haben war noch so schön...' 'Letzte Woche wollte sie noch unbedingt dorthin, da waren wir am Dienstag zu...' 'Aber vorgestern waren wir noch...'
Kein offenes Gespräch, alles zu Ende gebracht.
Zehn Tage vor ihrem Tod hat sie mir noch gesagt, daß ihr Leben voller Leid, Tod, Mühen und Not gewesen ist, aber daß sie ihren Frieden damit geschlossen hat, daß sie glücklich und zufrieden ist.
Keine offenen Fragen, bei niemand.

Ich glaube nicht, daß sie wußte, daß sie so bald sterben würde.
Es drängt sich aber der Eindruck auf, daß es ein Innehalten im Universum gegeben hat, einen Augenblick, an dem alles perfekt war, der Garten bestellt, und besser würde es vielleicht nicht mehr werden. Zeit zu gehen?

Sonntag, 11. Mai 2008

Fatale Trendkombi

Ich bin mein ganzes Leben lang noch nicht gerne unter Autobahnbrücken druchgefahren, nicht erst seit Oldenburg. Wahrscheinlich weil ich mir den Kitzel ganz gut vorstellen kann, da mal eben kurz was runterzuwerfen.

Und neuerdings sind die überforderten Mütter schon zu faul, ihre Kinder anständig im Balkonkasten oder in der Tiefkühltruhe aufzubewahren, sie schmeißen sie einfach vom Balkon.

Wen wundert es also, daß mir heiß und kalt wurde, als ich auf der Autobahn eine Mutter auf der Autobahnbrücke sah, die ihr Kind im Arm über die Brüstung hielt?

Montag, 5. Mai 2008

Mutter

Was man meiner Mutter nicht vorwerfen kann, ist daß sie ein Messie sei, im Gegenteil, sie hat eher zu viele Sachen weggeworfen als zuwenige.

Was man ihr dagegen wirklich vorwerfen kann, ist daß sie gestorben ist. Als ich den letzten Beitrag am Freitag geschrieben habe, war sie schon tot. Eine Stunde lang.
"Plötzlich und unerwartet", wie man so standardmäßig sagt. Mitten aus dem vollen Leben, ja das kann man auch bei einer fast 81-jährigen sagen.

Ich weiß noch nicht. Wie es mir geht. Ob es mir geht. Die Riten und das Organisieren haben einen Zweck, sie halten die Menschen davon ab, ins Loch zu fallen.

Wenn es möglich ist, im Schlimmsten, das passieren konnte, viel Schönes zu finden, so ist das jetzt so. So viele Menschen, die beitragen, da sind, nah und fern, gute Wünsche, Gedenken, Worte nur, aber Worte, die helfen, es hilft, daß man weiß daß andere an einen denken.
Hier sind auch vele Menschen, immer da, alle schockiert. Meine Mutter hat Menschen gesammelt. Die häufigsten Worte, die ich hier höre, sind: "Wo gehe ich denn jetzt hin?" Für jemand in Not, in Leid, zum Reden, für Spaß.
Es ist schön zu sehen, daß meine Mutter ein knallvolles, buntes, gut aufgehobenes Leben hatte, mittendrin. Ich wußte es ja immer, aber jetzt hilft es, so wie sie ihr Leben um sich gebaut hat. Es trägt, auch uns.
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luckystrike - 2013/03/17 18:04

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