Merke:
Wenn du das Weinglas auf dem Weg in die Küche gleich auf dem Boden zertrümmerst, sparst du viel Spülaufwand.
Merke²:
Auch wenn du alle Scherben sorgfältig aufgelesen hast, ist es vorsichtshalber besser, wenn du wengstens die Flip Flops an die Füße tust, wenn du ins Bad gehst.
(Aufgewärmtes aus den Kommentaren vom letzten Jahr)
Kenn'se die Umme?
Det is ne Brumme
und keene Dumme!
Die hat ne Wumme
und kommst ihr krumme,
denn zieht sie Summe:
un's orjentlich kracht -
bis keener lacht.
Seine kleinen dunklen Augen blitzen gehetzt im Zimmer umher. Während er spricht, bleibt sein Blick an der ein oder anderen Stelle hängen, er nickt jemandem zu oder lächelt eine kurze Begrüßung in Richtung Fenster.
Angespannt ist er, etwas überfordert, von so viel Besuch, so viele Menschen, die er lange nicht gesehen hat. Nach so vielen Jahren, die er ganz alleine zugebracht hat.
Da ist sie, die Bäuerin, an die ihn seine Mutter als 12Jährigen auf dem Nikolausmarkt als Knecht verdingt hat, für ein ganzes Jahr, gegen einige Münzen und ein Paar Schuhe für den Jungen. Die erste, bei der er nicht wie das ganze Gesinde im Stall schlafen und essen mußte, sondern zum Essen ins Haus durfte. Er war wohl ein wenig verliebt in sie. "Und so gut wie sie war, so schön war sie auch!" "Die Blume vom Nimstal" nennt er sie.
Da ist der Kamerad aus dem Nachbardorf, den er auf dem langen langen Marsch schwer verletzt vom Balkan bis nach Prag gestützt und getragen hat.
Der erste Weltkrieg war verloren, die Losung hieß: "Jeder sehe, wie er heimkömmt. Wer nicht mitkömmt, bleibt liegen. Keiner wird getragen." Ein wochenlanger gnadenloser Fußmarsch, die, die nicht mitkamen, lagen am Wegesrand, mit aufgeblähten Bäuchen, oder schon zusammengefallen, oder schon vertrocknet. Einem Toten hat er die Schuhe genommen und an seine eigenen blutigen Füße angezogen.
Nachts lag er mit seinem Kameraden Löffelchen, gegen die Kälte, und weil sie zusammenhielten, wie er gerne erzählte.
Da ist sein Vater, der am Anfang des letzten Jahrhunderts unter Tage im Ruhrpott arbeitete, der nur einmal im Jahr zu seiner Familie nach Hause kommen konnte, sein Geld ablieferte und ihm ein neues Geschwisterchen machte, zwölf an der Zahl. Für den er einige Jahre in einer Schmugglerbande Tabak und Alkohol schmuggelte, aus Frankreich, aus Luxemburg.
Da ist seine geliebte Frau, seine Anna, jung, rund und drall, mit roten Wangen, die ihm sieben Kinder schenkte, wovon drei Söhne und zwei Töchter überlebten. Die zwei Jahre in Kirchenstreik getreten war, weil der Pfarrer in der Beichte der Meinung war, sie solle noch ein paar Kinder mehr bekommen. Für die er bis ins hohe Alter noch arbeitete, wovon ungezählte Sandsteinmauern in der Umgebung Zeugnis legen. Jeder Maurer hat beim Behauen der Steine seine eigene Handschrift, und seine ist sofort zu erkennen. Seine Anna, die ihn zwanzig Jahre zuvor mit 77 Jahren alleine ließ, als sie starb.
Da ist der deutsche Offizier, der ihn in den letzten Minuten des zweiten Weltkriegs noch wegen Wehrkraftzersetzung standrechtlich erschießen lassen wollte. Die Soldaten wollten sich in seinem Haus verteidigen, das auf einem Hügel liegt. Am Horizont waren schon die Amerikaner im Anmarsch zu erkennen, und die versprengten Reste, die 20 deutschen Soldaten hätten keine Chance, wollte er ihnen erklären und ihnen einen Fluchtweg in den Wald zeigen.
Die Gewehre waren schon auf ihn gerichtet, als ein Flakgeschütz in sein Haus einschlug.
Da ist die alte Nachbarin, hinter deren Röcken er sich versteckt hat, als die Alliierten am Ende des zweiten Weltkrieg die Gefangenen fürs Lager zusammentrieben. Einige Wochen arbeitete er für sie, als alter Mann verkleidet, bis er es nicht mehr aushielt, und vier Nächte lang durch die Gräben auf allen Vieren in sein Heimatdorf zurückrobbte. Er wollte wissen, ob seine Frau und Kinder noch lebten, das letzte was er gesehen hatte, war sein brennendes Haus, als er gefangen genommen wurde.
Als er heimkommt, findet er alle wohlbehalten, das Haus zerstört, und die Soldaten und den Offizier tot, die sich dort verteidigen wollten, auf der Flucht Richtung Wald erschossen.
Das große dunkle kalte Zimmer ist randvoll mit Menschen, Kameraden, Auftraggebern, Familie, Menschen aus fast einem Jahrhundert Leben.
Es ist 1994, und Johann, der 1896 geboren wurde, ist so alt, daß seine schlohweißen Haare im Nacken schon wieder schwarz nachwachsen, so schwarz, wie sie früher einmal waren.
Schon lange ist er sehr schwerhörig, so daß er, wenn er Besuch bekommt, aus Unsicherheit die Unterhaltung gerne selber bestreitet. Stundenlang erzählt er von früher, aus seinem langen Leben.
Ich bin wohl der einzige, der sich die Mühe machte, auch ihm etwas zu erzählen, man muß sehr laut sprechen und vieles wiederholen, aber er ist dankbar dafür. Jedenfalls bin ich der einige seiner Enkel, dessen Namen er sich merkt. Er ist auch der einzige, der mich damals, als Kriegsdienstverweigerung noch eine Schande war, dabei unterstützt.
Als nach 20 Jahren einsamen Lebens seine Tochter in sein Haus einzieht, siedelt sie ihn in den ersten Stock um. Seine Räume, seit fast 50 Jahren unverändert, werden wieder genau so eingerichtet, nur spiegelverkehrt.
Das ist auch die Zeit, in der er nie wieder einsam sein wird, Tag für Tag und Nacht für Nacht besuchen ihn die Menschen seines Lebens, von denen er so oft erzählt hat, sitzen auf Fensterbänken, Stühlen, Ablagen, Bettkanten, stehen in der Tür, reden untereinander oder auf ihn ein, Tote, Lebende, Zwischenwesen.
Mit großen runden Augen versucht er auf sie einzugehen, und vergißt zu unterscheiden, welcher Besuch Phantom ist und welcher nicht.
Eine Woche, nachdem die Außerirdischen nachts die schwere Kommode auf sein Bett geworfen haben, stirbt er, zwanzig Monate vor seinem 100. Geburtstag.
An alle: wenn ich jemals wieder meine Schlauchbootventile suche: ich mache die immer an der Schnur vom Schlauchboot fest. Da waren sie letztes Mal und da sind sie immer. Nur für den Fall, daß ich es wieder vergesse: die Ventile sind AM Schlauchboot.
So, jetzt stehts im Internet und damit ist es ewig, denn ich kann es guggeln.
(Vor einem Jahr konnten Glam und ich nicht boaten gehen, weil ich angeblich die Ventile verlegt hatte. Das darf nie nie wieder passieren)
Vergeben Sie mir bitte, falls ich das auch bei Ihnen posten sollte, man muß sicher gehen. Ausfallsicherheit, Datenredundanz und so.
Meine Lieblingsaussicht in Berlin ist das Panorama von der Oberbaumbrücke Richtung Westen am Abend.
Die jetzt schon länger ziemlich verschandelt ist von dieser O2-Arena-Leuchtreklame.
Kann man mit Geld eigentlich alles kaufen zuscheißen?
(Alter Chathase, beim morgendlichen Austausch, und nach einen Hinweis auf ein besonders, na sagen wir mal, eindrucksvolles Userprofil, der auch "Massagen" anbietet)
"tschiesus
nene lassma stecken
das is so gar nich mein beuteschema"
lucky
"wer spricht denn von beute-schema?
manchmal ist man eben auch bloß opfer!
menno!"
Nachtrag:
Ich glaub ich leg mir ein Sexprofil an. Den Nick hab ich schon:
MUFFENSAUSEN
So eine Terrasse ist ja auch ein schönes Ding. Das finden nicht nur die gelegentlichen Besucher, nein, andere Kreaturen fühlen sich geradezu eingeladen, dort einzuziehen, um genau zu sein, Spinnen, in allen Farben, Formen und Größen.
Die ganz kleinen sind mir auch fast egal, weil ich sie nicht so genau erkenne. Allerdings ist es schon sehr ekelhaft, wenn man überall in den Netzen kleben bleibt, wenn man die verblühten Blumen entfernen will. Dann gibt es noch so kleine Springspinnen, die wenn man genau hinguckt, sehr apart zebramäßig gemustert sind. Das Problem, die Dinger können problemlos einen halben Meter springen, und so kann es sein, daß sie einem beim genau Hingucken mitten ins Gesicht springen. NOT nice!
Das schlimmste sind allerdings die megafetten Kreuzspinnen. Jemals abends an der U-Bahn Hallesches Tor gewartet und nach oben geschaut? Dann können Sie sich das vorstellen. Grauen pur. Die fetten Geräte bauen ganz einfach ihr Netz über die Terrassenbeleuchtung, und brauchen eigentlich nur noch den Hals offen zu halten.
Keine Ahnung, ob die sich überhaupt so oft häuten können, wie sie wachsen, aber ich habe bisher noch keine Kreuzspinne platzen gehört bei mir.
Jedenfalls, fangen und wegtun kann ich nicht, kein Glas und Papier für mich, und irgendwie mag ich auch keine Spinnen töten, ich glaube an friedliche Koexistenz, wie bei den meisten Türkenmackern oder rumänischen Windschutzscheibenputzerinnen auch, am besten allerdings auf unterschiedlichen Kontinenten.
Die Spinnen haben aber leider ein anderes Konzept, mehr so Multikulti.
Immerhin sind die fetten Kreuzspinnen recht intelligente Geschöpfe, und wenn man mehrmals hintereinander ihr Netz zerstört, verziehen sie sich, bis dann eine Verwandte neu einzieht, es bleibt halt Work in Progress, wie jeder andere Friedensprozeß auch.
Zu dem Zweck habe ich einen sehr sehr sehr langen Bambusstab, und mit einer mittlerweile routinierten Handbewegung drehe ich das Netz ein, samt Spinne, und klopfe das ganze beherzt am Geländer ab. Naürlich unter Kreischen, versteht sich.
Nur letztens kribbelte später irgendwas an meinem Bein, und ich stellte fest, daß sich das Monstergerät unter mein Hosenbein gerettet hatte.
Mein Geschrei rief dann gottseidank den LMB auf den Plan, der mich rettete. Wer weiß, was passiert wäre... Immerhin hatte sich die Spinne auch sehr erschrocken.
Nachtrag: Ich gehe ja fest davon aus, daß die Biester immer schön brav in ihrem Netz sitzen bleiben. Sonst könnte ich nachts ja auf gar keinen Fall die Terrassentür offen lassen. Also ich gehe ganz fest davon aus. Ganz ganz fest!
Living on my guard (guarded)
Wind is on my neck (fateless)
Sun is on my face (have courage)
Beautiful day without you (ah)
Like rays of gold (I honestly can)
Now can I (forget the pain)
(Royksopp, Beautiful Day without You)
Ein oder mehrere Tage auf dem See mit den richtigen Menschen sind wahrscheinlich der Zustand, der am nächsten und direktesten an das Seelenheil herankommt.
Zuhause und auf dem Weg hin noch voller Angst und Haß auf die Menschen, und würgend und erstickend an dieser unstillbaren, unerträglichen Sehnsucht, den Menschen anzurufen, den kein Telefonanschluß mehr erreicht. All die kleinen unbedeutenden Details zu erzählen, zu teilen, komplett egal, was man erzählt, das Gespräch als Seelenaustausch und Nabelschnur. Getrennt.
In meinem Heimatdialekt gibt es ein Wort, das in Deutsch nicht existiert, es spricht sich 'Geheeschnis', und bedeutet in etwa: Heimat, geborgen sein, unerklärt und bedingungslos verstanden und angenommen werden, ein Mutterwort eben.
Wie schön, daß es auch im Hochdeutschen mindestens einen Menschen gibt, der die Bedeutung kennt und lebt.
(mit fliegenden Rochen und Quallen, dafür ohne Killerwelse)